Die “Queen of Sand”

Die “Queen of Sand”


Das wâre schade. Es ist kurz vor halb acht, Zeit fûr unsere
Landesschau-Geschichte zum Staunen. Wir erleben nicht jeden Tag
einen Superstar an dieser Stelle. Also zumindest in Sachen Sandmalerei
zâhlt die junge Russin Irina Titova zur Weltspitze. Zur Zeit tourt sie
durch Baden Wûrttemberg. Und gestern Abend konnte man sie
in Mannheim live erleben. Fûr mich ist das eine
Art Philosophie, die Sandkunst. Denn nichts in unserer Welt
ist von Dauer. Wir leben nur in diesem Moment,
nicht in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Und mit dem Sand ist es genauso, nur
in diesem Moment ist er lebendig. Irina Titova erzâhlt
Geschichten mit Sand. An diesem Abend
Jules Vernes Abenteuerroman “In 80 Tagen um die Welt”. Was sie live auf eine hinterleuchtete
Scheibe streut und zeichnet, wird fûr die Zuschauer zeitgleich mit einer Kamera
auf eine Leinwand projiziert. Ein poetischer Fluss
des Werdens und Vergehens. Ich erlebe die ganze Geschichte
Jules Vernes mit allen Charakteren noch einmal mit, wenn ich male. Ob Phileas Fogg, Passepartout
oder die schône Aouda. Ich reise mit ihnen und begleite sie
mit meinen Bildern den ganzen Weg. Sandmalerei ist
eine vergângliche Kunst. Doch voller Schônheit und Dramatik. Und in der Pause dûrfen
die Zuschauer selbst ausprobieren. Das Dosieren ist wahnsinnig schwer,
ihre. Wie das ausstrahlt, das ist eine
Verbindung, unbeschreiblich. Ein Kunstwerk, was diese Dame
verbringt. Man versucht immer zu begreifen, wie kann sie so wenig oder soviel
Sand draufmachen. Ich bin hin und weg. In Indien malt man seit Jahrhunderten
Mandalas mit Sand. Zur Meditation und Selbstfindung. Irina Titovas Bilder
kônnen das auch. Die Menschen brauchen wirklich diese
stillen Momente im Leben, tiefe Momente. Ich hoffe, dass ich meinem Publikum
solche Momente geben kann. Das ist das allerwichtigste
fûr mich. Was sie dafûr braucht,
ist nur eine Hand voll Sand. Und schon beginnt man zu trâumen.

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